Die Axt im Krankenhaus

Einen Augenblick lang dachte ich, ich hätte mich verhört. „Sie sind Techniker, also Mitarbeiter in der IT?“, fragte ich sicherheitshalber noch einmal nach. Freitagmorgen nach einer harten Woche, da sind Missverständnisse nicht ausgeschlossen. Nein, sagte mein Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung freundlich. Er habe eine handwerkliche Ausbildung und er sei in dem Krankenhaus eine Art Hausmeister. Der Haustechniker eben. Die Axt im Krankenhaus erspart den Datenschutzbeauftragten, dachte sich sein Geschäftsführer und wollte ihn zum Datenschutzbeauftragten des Krankenhauses machen.

Datenschutz im Krankenhaus? Wie lästig

Ich erinnerte mich an ein ähnliches Gespräch mit einem anderen Datenschutzbeauftragten einer Klinik, dessen Geschäftsführer offenbar nach dem Motto gehandelt hatte „fassen wir doch das ganze lästige Beauftragtenwesen in einer Person zusammen“, und den Abfallbeauftragten zum Datenschutzbeauftragten benannt hatte. Dieser zeigte sich dann überaus dankbar, als ich ihm den Ausweg aus einer eher harmlosen Fragestellung wies. Eine Art kollegialer Unterstützung eines Alibi-Kollegen und nun sollte also der Haustechniker dran glauben und nebenberuflicher Datenschutzbeauftragter werden. 5 bis 10 Stunden Freistellung für diese Aufgabe wollte man ihm dafür gewähren. Pro Monat, wohlgemerkt, sowie eine Ausbildung durch uns.

Hauptsache billig

Wenn ich das nächste Mal meine Küche renovieren lassen will, beauftrage ich einen Datenschutzbeauftragten. Der macht das sicher billiger als ein gelernter Tischler. Danach kann ich vielleicht nicht mehr kochen, aber was macht das schon. Hauptsache, Geld gespart. In vielen Krankenhäusern scheint man in Bezug auf Datenschutz so ein Vorgehen für normal zu halten. „Der Datenschutzbeauftragte? Der ist im OP“, bekam ich auch mal in einer Klinik auf die entsprechende Frage gesagt. Die Rezeption kannte seinen Namen, immerhin, und dieser Datenschutzbeauftragte entpuppte sich als ein Anästhesist kurz vor der Rente, der freimütig zugab, dass sein Amt nur auf dem Papier bestehe.

Noch nicht brutal genug

Fernsehen ist nicht wirklich brutal, solange der Held nach einem Schuss in die Schulter am nächsten Tag mit dem Arm in der Schlinge wieder zur Arbeit erscheint, urteilten Wissenschaftler in den achtziger Jahren über (vermeintlich) viel zu brutale Fernsehbilder. Im Datenschutz verhält es sich noch heute offenbar genauso: Die unangenehmen Konsequenzen von Datenverlusten sind offenbar noch längst nicht ernst und kostspielig genug, wenn Krankenhäuser es sich leisten können, mit Datenschutz so nachlässig umzugehen.