Datenkrieg mal anders – eine Buchrezension

„Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt“ von Haruki Murakami

Dieser Roman wurde bereits 1985 geschrieben – und liest sich heute mindestens genauso aktuell wie damals.
An Besprechungen und Empfehlungen mangelt es eigentlich nicht: Murakami-Lesern würde dieses „Herzstück seiner Romanwelt“ auch den Zugang zu seinen anderen Erzählungen und Romanen öffnen, sagt zum Beispiel Hubert Winkels in der ZEIT.

Aber unter dem Aspekt des Datenschutzes wurde das Werk noch nicht beleuchtet. Was schade ist, denn meiner Meinung nach war Haruki Murakami
seiner Zeit schon damals weit voraus. Auch wenn der Datenschutzaspekt nur die Kulisse bildet für seine sehr persönliche Auseinandersetzung mit den ganz grundlegenden Fragen des Lebens, so hat er es doch in dieser „Utopie“ bereits auf die Spitze getrieben:

Anstatt den Schutz personenbezogener Daten zu thematisieren, findet er die ultimative Form des Datenschutzes – die personenbezogene Verschlüsselung von Daten.

In Tokio tobt ein Datenkrieg, „das System“ und „die Fabrik“ kämpfen um die Geheimhaltung bzw. den Diebstahl von Wissen. Mitten in diesem Konflikt steckt der Hauptdarsteller, ein sogenannter Kalkulator. Mithilfe eines streng geheimen Vorgangs (dem Shuffling) verschlüsselt er die Daten, indem er sie in einer Art Trance durch sein Unterbewusstsein jagt. Danach kann nicht einmal mehr er selbst über die nun kodierten Daten verfügen. Um die Verschlüsselung rückgängig zu machen, muss er die Daten wiederum über sein Unterbewusstsein re-shuffeln. Dieses Verfahren ist nicht nur sehr aufwändig, sondern auch gefährlich.

Ein zweiter Erzählstrang führt den Leser parallel in eine Phantasie-Welt, in der Einhörner existieren und eine große Mauer „das Ende der Welt“ vom Außen abtrennt. Der Protagonist in dieser Welt wurde soeben von seinem Schatten getrennt und droht nun, seine Seele zu verlieren. Im Laufe der Geschichte wird klar, dass die beiden Figuren aufs Engste miteinander verwoben sind.

Eine wilde Reise beginnt, um die Daten zu schützen.

Mein Fazit: Zeitlose, großartige und vielschichtige Unterhaltung.

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