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Mitarbeiter in Pausenraum gefilmt
Quelle: Barmstedter Zeitung, 19.10.2010
Versteckte Kameras und Protokolle über Mitarbeiter - Datenschützer haben die Krümet-Märkte im Visier. Skandal oder schmutzige Kampagne eines Ex-Mitarbeiters?
Ein Mitarbeiter steckt ein Cuttermesser in seine Hosentasche und wird des Diebstahls bezichtigt. Die Angestellten der Krümet Sonderpostenmärkte nutzen solche Messer zum Öffnen von Kartons. Dass sich der Mitarbeiter eines Marktes in Schleswig-Holstein dieses Werkzeug vom Tisch des Pausenraums in die Tasche steckte, hat eine versteckte Kamera gefilmt. Den Verdacht des Diebstahls soll dann eine Detektei in der Auswertung des Videomaterials geäußert haben.
Ohne ihr Wissen sollen Krümet-Angestellte in ihren Pausenräumen bespitzelt worden sein - mit versteckten Kameras in Rauchmeldern oder hinter toten Steckdosen. Es wurde protokolliert, wann und wie lange sie telefonierten und wann sie rauchten. "Diese Vorwürfe wiegen noch schwerer als damals gegen Lidl", sagt Schleswig-Holsteins Datenschützer Thilo Weichert. Denn: "Das Filmen in Sozialräumen ist generell nicht zulässig", sagt Weichert mit Verweis auf das Datenschutzgesetz. Bis zu 18 Kameras sollen in einzelnen Märkten versteckt worden sein.
Ein Ex-Bezirksleiter berichtet
Handfester Bespitzelungs-Skandal oder schmutziges Spiel eines Ex-Mitarbeiters? Im RTL-Magazin "Extra" will am Montagabend ein früherer Bezirksleiter "sein Gewissen erleichtern". 16 Jahre hatte er den Job bei Krümet, sagt: "Ich war ausführendes Organ." Die Bespitzelung sei seine Aufgabe gewesen - auf Anweisung.
Die Krümet Handelsgesellschaft mit Sitz in Bönningstedt (Kreis Pinneberg) sieht sich als Opfer einer Schmutzkampagne in einem Arbeitsrechtsstreit: Im Mai wurde der Bezirksleiter fristlos entlassen. Zu den Gründen sagt das Unternehmen in einer Stellungnahme nichts: "Dies ist Gegenstand eines derzeit anhängigen Rechtsstreits."
Verfahren gegen Krümet und Überwachungsfirma
Es sei richtig, dass Kameras in fünf Filialen angebracht wurden, nachdem Diebstähle nicht auf andere Weise aufgeklärt werden konnten. Aber: "Die Prüfung geschah allein auf Veranlassung des entlassenen Bezirksleiters und betraf nur Teile der von ihm geführten Filialen." Die Geschäftsleitung habe nur den von ihm erteilten Auftrag an das Überwachungsunternehmen freigegeben. "Die konkrete Ausgestaltung oblag unserem früheren Mitarbeiter."
Datenschützer Weichert kündigte gegen Krümet ein Verfahren an. Gegen das Überwachungsunternehmen Visako sei bereits ein Verfahren eingeleitet worden. Deren Anwältin Susanne Becker beteuert, dass die Sicherheitsfirma das Datenschutzgesetz stets einhalte. "Die Mitarbeiter sind geschult. Wir prüfen, ob es für die Installateure der Kameras ersichtlich war, dass es sich um Sozialräume gehandelt hat. Wenn in so einem Raum gefilmt wurde, ist das nicht in Ordnung", so Becker. Laut Stellungnahme von Krümet soll der Ex-Bezirksleiter die Visako-Mitarbeiter falsch informiert haben. Diese seien davon ausgegangen, dass es sich um zulässige Bereiche gehandelt habe.
Bewahrte der Bezirksleider Protokolle widerrechtlich auf?
Protokolle über Mitarbeiter seien von Krümet nicht in Auftrag gegeben worden. "Wurden sie dennoch erstellt, sind sie sogleich vernichtet worden." Allerdings sei nicht auszuschließen, dass der Bezirksleiter sie widerrechtlich aufbewahrt hat.
Arbeitsrechtlich haben die Angestellten laut Datenschützer Weichert nichts zu befürchten: "Solche Videoaufnahmen sind in einem Gerichtsverfahren gegenstandslos."


